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Digitalisierung und Bilder von Kirche 9: Felix Stalder, Gemeinschaftlichkeit

Gemeinschaftlichkeit Diese Formationen entstehen durch die Prozesse der Auswahl, Interpretation und konstituierender Handlungsfähigkeit (die aus der Rekombination von Bekanntem neu freigesetzt wird). Denn: „Sich als einzelner in einer komplexen Umwelt zu bewegen ist unmöglich“ (Stalder, 129). In der Sprache der social media sind das die „Communities“, die um ein Thema, eine gemeinsame geteilte Haltung oder eine gemeinsame Praxis entstehen und Akteure zusammenführen, die im „real life“, in der „Kohlenstoffwelt“, im „analogen Raum“ möglicherweise nie aufeinandergetroffen wären. Dabei handelt jeder Akteur zwar als Individuum, ja sogar als „Singularität“, aber in einer Art und Weise vernetzt, dass eben doch überindividuelle Konstrukte entstehen, aus denen Individualität via Zugehörigkeit und Abgrenzungen (sozusagen als singulärer Rest) entstehen. Das ist, was ich weiter oben unter einer anderen Perspektive „Sympoiesis“ nannte, wenn man noch die nicht-menschlichen Akteure (z.B. Gebäude,...

Digitalisierung und Bilder von Kirche 8: Referentialität nach Stalder

  Referentialität Felix Stalder identifiziert als drei Faktoren der Digitalisierung „Algorithmizität“, „Referentialität“ und „Gemeinschaft“. Mit „Referentialität“ meint Stalder das Herstellen von Bezügen als einer Grundfunktion von Kultur. Sie hat unter der Digitalisierung eine deutliche Beschleunigung und Ausdifferenzierung erfahren und ist geradezu zu einem Motor der Entwicklung geworden, die traditionelle Verständnisse von Gemeinschaft, vor allem solche, die auf Präsenz, auf unmittelbare Gegenwärtigkeit von Akteuren, beruhen, auflöst. Das ist nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick klingt. Denn entscheidend ist, dass diese Bezüge aus einer Rekombination von bestehendem Material entstehen und dass das, vereinfacht gesagt, „jedermann“ leisten kann. Es ist nicht mehr – oder weniger als je zuvor – an Institutionen und Organisationen gebunden. Das ist gewissermaßen der eigentlich digitale Anteil daran. Für die Wahrnehmung von „Kirche“ ist das von Gewicht: weil gerade diese ...

Digitalisierung und Bilder von Kirche: 7. Der Begriff der Kultur, Felix Stalder

  Felix Stalder: Kultur der Digitalität Felix Stalder macht mit seinem Buch Ernst damit, dass Digitalisierung einen kulturellen Wandel bedeutet, und so spricht er von der „Kultur der Digitalität“- und nicht etwa von einer Digitalisierung der Kultur, als wäre Digitalisierung etwas, das zu einer bestehenden Kultur hinzukommt. Um es in Schlagworten zu sagen: Die Gutenberg-Galaxis, also die Transformation durch die Erfindung des Buchdruckes mit allen seinen Folgen wie z.B. die Alphabetisierung wird abgelöst oder verändert in die Kultur der Digitalisierung. Dick Baecker hat diesen Prozess in seinem Buch „4.0 oder die Lücke, die der Rechner lässt“ (Leipzig, 2018) sehr feinteilig herausgearbeitet, er spricht allerdings nicht von „Digitaler Kultur“, sondern von der „Nächsten Gesellschaft“ als der „Netzwerkgesellschaft“, die die vier vorherigen Stufen „Tribale Gesellschaft“, „Antike Gesellschaft“, „Moderne Gesellschaft“ ablösen wird oder soll (eine tabellarische Übersicht findet sich auf ...